flair im Dezember

Das ABC der Wunder

# 12/17+01/18

Von A wie annus mirabilis bis Z wie Zeus-Statue: flair präsentiert in der Dezember/Januar-Ausgabe ein – im wahrsten Sinne des Wortes – wunderbares Alphabet!

B ABC

BLAUES WUNDER

Nicht alle Wunder sind wünschenswert. Wenn jemand „sein blaues Wunder erlebt“, erfährt er zumeist eine unerfreuliche Überraschung. Bekannt war die Redewendung schon im frühen 16.Jahrhundert. Damals stand die Farbe Blau für Lüge und Täuschung – noch heute sagt man „das Blaue vom Himmel herunterlügen“.
Positiver besetzt ist das „Blaue Wunder“ in der Architektur. Da steht es etwa für die Loschwitzer Brücke in Dresden, die in ihrer Entstehungszeit eine der ersten Metallbrücken mit einer Spannweite war, die keine Strompfeiler in der Elbe benötigte. Heute ist sie eines der Wahrzeichen der Stadt.

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Annus mirabilis

Auch Nicht-Lateiner ahnen es schon – „annus“ steht für „Jahr“ und „mirabilis“ für „Wunder“. Als Wunderjahr bezeichnet man zumeist einen wichtigen Zeitabschnitt im Arbeits leben eines bedeutenden Wissenschaftlers. So waren etwa 1665 und 1666 die anni mirabiles von Isaac Newton, der in dieser Zeitdie klassische Mechanik entwickelte. Und 1905 gilt als das Wunderjahr von Albert Einstein – er veröffentlichte damals neben seiner Dissertationsschrift vier bahnbrechende Arbeiten, darunter eine grundlegende zur „speziellen Relativitätstheorie“. Die Bezeichnung wird aber auch in der Literatur verwendet: 1794/95 trafen Goethe, Schiller, Fichte, Hölderlin, von Humboldt und Mereau in Jena aufeinander, deshalb spricht man vom annus mirabilis jenensis. Und im politischen Sinne ist 1989 das Wunderjahr, in dem die Demokratisierungswelle in Osteuropa ihren Höhepunkt erreichte.

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04.12.2017