In der neuen Ausgabe

Dem Himmel so nah wie ein Star

Wen wir als Star verehren, hat sich in den letzten 100 Jahren stark gewandelt. flair-Featurechef Siems Luckwaldt schreibt in der Dezember-flair über erstaunliche Parallelen zwischen Ruhm
alter Schule und heutigem Promi-Hype.

Text: Siems Luckwaldt

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Foto: Josh Olins / Universal Music: Lady Gaga, The Monster Ball Tour

Als Journalist hat man immer mal wieder das seltene Privileg, einem Star gegenüberzustehen. Vielleicht nicht gleich Madonna, aber einer Persönlichkeit, die das gewisse Etwas ausstrahlt. Eine intensive Präsenz, ein wie Gott gegebenes Talent, eine geheimnisvoll anziehende Aura.

Für mich war einer dieser Momente am 10. August 1992. An diesem Tag brachte Michael Jackson seine „Dangerous“-Tour ins Hamburger Volksparkstadion, und vom ersten Tanzschritt, dem ersten gekieksten Refrain an war ich wie gebannt. Vergessen die anderen 50.999 Zuschauer, unwichtig das gar nicht so sommerliche Wetter, die weite Entfernung meines mühsam angesparten Platzes von der Bühne, vom „King of Pop“.

Star-Qualität, das wusste ich schon damals als 14-Jähriger instinktiv, kann man nur unzureichend in Worte fassen. Wer himmelhoch über dem Durchschnitt seiner Profession fliegt, dessen Anwesenheit spürt man auch ohne hinzusehen. Ähnlich habe ich auch ein Interview mit Diane von Fürstenberg erlebt, die mit mir barfuß auf dem Boden ihrer Pariser Wohnung in Schmuckschatullen kramte. Oder ein Telefonat mit Ute Lemper, deren außergewöhnliche Kreativität wie ein Blitz durch die Leitung schoss.

Ob Celine Dion in Las Vegas, Cher und Cyndi Lauper in Portland, Glen Close in London, Angela Lansbury am Broadway oder Dolly Parton (oh ja!) in Philadelphia – wer echte Legenden live erleben darf, der wird es nie vergessen. Können, unbändige künstlerische Energie und Charisma, aus dieser Mischung und vielen weiteren geheimen Zutaten scheint gemischt zu werden, was wir als Star bezeichnen.

Zumindest bisher. Wie der spezielle Zaubertrank für langfristig erfolgreiche Web-Stars und Influencer angerührt wird, dazu gibt es derzeit reichlich Verwirrung und kein festes Rezept.

Ohne das gewisse Etwas jedoch, geht es auch in der Welt der Bits, Bytes und Snapchats nicht, so viel steht fest. Das ist für Daggi Be nicht anders als einst für Greta Garbo. Mehr dazu im Dossier der neuen Flair.

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21.11.2016